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Schutzmann und Policeman.

Abschreckende Beispiele zur Erleichterung der Metamorphose.

 
 
 
 

Die Idee und der Wunsch, dem Schutzmann im Kreise der Bevölkerung die Stellung des englischen Constablers anzuweisen und zu sichern, haben nach der von dem Reichskanzler ausgehenden Anregung in allen Schichten des Volks den erwarteten allgemeinen Anklang gefunden. Sollen dieselben aber nicht nur eine vortreffliche Idee und ein frommer Wunsch bleiben, so hat sowohl der Berliner Schutzmann, als auch das Publikum die bisherige Umgangsform wesentlich zu ändern. Es läßt sich nicht leugnen, daß der Schutzmann nur in sehr seltenen Fällen den Umgang mit Menschen mit heißem Bemühen durchaus studirt hat, und daß ebenso das Publikum in dem Schutzmann häufiger einen Beamten erblickt, der durch sein Vorgehen die Unordnung herbeiführt, als einen solchen, der die Ordnung aufrecht zu erhalten hat. 

Hier muß also auf beiden Seiten abgeschliffen, geglättet und gesäubert werden, damit allmälig das Publikum vergesse, daß es schon häufig ungerecht behandelt worden ist, und der Schutzmann, daß er fast immer als der Feind der Bevölkerung betrachtet zu werden pflegt. Im anderen Fall würde ohne Zweifel der Berliner Schutzmann ein Berliner Schutzmann bleiben und niemals ein englischer Policeman werden, und ebenso würde das Berliner Publikum niemals einem englischen ähnlich sehen. Verlangt aber der Schutzmann ein höfliches Publikum und das Publikum eine höflichen Schutzmann, ohne daß Jener und Dieses selbst höflich sind, so gehen wir in Siebenmeilenstiefeln einem unleidlichen Zustand entgegen, der zu Nichts führt, als zu Scenen, welche wie die folgenden entschieden nicht zu den erfreulichen gerechnet zu werden verdienen.
 
 

I.

Schutzmann und Publikum.


Schutzmann. Meine verehrten Mitbürger, ich bitte Sie sehr, in Circulation zu bleiben und nicht still zu stehen. Der Herr Pennbruder und der Herr von Strolch, welche leider in einer persönlichen Differenz und sich in die Haare gerathen waren, sind zur Wache geleitet, und es ist wirklich nichts mehr zu sehen.

Publikum. Drängeln Sie nicht, wir können stehen, wo es uns beliebt, oder es jiebt Haue!

Schutzmann. Ich möchte mir erlauben, davon abzurathen. Es wäre nicht nur nicht chevaleresk, wenn eine Uebermacht wie die Ihrige einen Einzelnen überfiele, sondern würde auch Gefahren, welche in den Paragraphen über die Beleidigung von Beamten im Dienst wurzeln, im Gefolge haben. Also ich bitte, meine Herren, entfernen Sie sich!

Publikum. Sie haben hier jarnischt zu sagen, Sie Thomas mit die Dynamituhr. Was wollen Sie überhaupt? Jehen Sie doch Ihrer Weje un stören Sie die Passage nich, Sie Stankmacher Sie!

Schutzmann. Ich möchte derlei Aeußerungen und Titel -- verzeihen Sie diesen Freimuth -- für mindestens ungerecht erklären. Meinen Sie indeß, daß ich im Wege bin, so soll eine schleunige Entfernung --

Publikum. Fort mit Schaden, Sie Schlachtenbummler, un danken Sie Ihrem Madai, daß wir Ihnen nich einen Strich durch Ihren Knochenvorrath jemacht haben.

Schutzmann (im Abgehen.) Ich habe die Ehre. Es war mir angenehm!
 
 

II.

Publikum und Schutzmann.


Schutzmann. Na, wie is denn? Haben Ihre Maulaffen keene Beene nich? Sie haben wohl jarnischt zu dhun! Marsch vorwärts, oder ick arretire den janzen Schwamm.

Publikum. Wir begreifen Ihre Aufregung vollkommen, geschätzter Herr, aber es ist nicht leicht, Ihrem Wunsche zu willfahren, denn da Gedränge von beiden Seiten macht die Circulation unmöglich.

Schutzmann. Des is mir janz einjal. Halten Sie sich hier nich mit unnützes Reden uf, sonst lange ick mir ein Paar und nehme uf meinen Diensteid, daß Sie mir blauer Karpfen jeschumpfen haben.

Publikum. Dies wäre Ihrer als eines Ehrenmannes nicht würdig.

Schutzmann. Maul jehalten, oder ick ziehe blank, denn mit so'ne Bande wie Ihr, die jleich das Messer zieht, is nich ville Umstände zu machen.

Publikum. Erlauben Sie uns, Sie auf den Umstand hinzuweisen, daß hier Niemand eine Waffe gezogen hat. Zeigen Sie uns einen Ausweg, auch wenn derselbe ein schwieriger ist, und wir entfernen und in derselben ruhigen und musterhaften Haltung, in welcher wir bisher pflichtschuldigst verharrten.

Schutzmann. Nanu reißt mir die Jeduld, und wenn Sie sich nich gleich zum Deibel scheeren, denn passirt was. Da soll ja ein Milljarden-Donnerwetter drein schlagen! Machen Sie sich nich länger überflüssig! Vorwärts, oder ick werde unanjenehm!
 
 
 

Unmaßgebliches Nachwort. Es scheint uns, als hätten beide Theile, Publikum und Schutzmann, ihr Verhalten und ihren Ton zu ändern, wenn nach dem Wunsche des Reichskanzlers unser öffentlicher Verkehr sich wie der englische gestalten soll.


 

 

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