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Aus Schülerkreisen. 

 
Wie man der Vossischen Zeitung aus Posen schreibt, haben daselbst die Lehren der Socialdemokratie auch in Schülerkreisen Eingang gefunden.

Sofort haben wir uns an einen dieser Schüler um näheren Aufschluß gewendet und folgende Antwort erhalten:
 

Ferien 
oder 
Tod! 
Posen, im Juni 1878.

Bürger Redakteur!

Kein
Nachsitzen 
mehr!
Ja, es muß ein Ende nehmen! Die jetzige Weltordnung ist verbraucht und hat Eselsohren. Wir wollen die Tyrannei nicht tragen, die von unseren Eltern getragen worden ist, -- genug, daß wir die Hosen und Röcke unserer Väter tragen müssen. Waren diese alten Kleidungsstücke gut, so kann, nachdem sie vom Flickschneider gewendet worden sind, der Schüler sie noch eine kurze Spanne Zeit tragen. So auch die Welt. Sie ist fadenscheinig geworden, da hilft kein Benzin mehr. Ist ihr innerer Kern gut, so wollen wir sie wenden.

Wir Schüler wollen uns nicht mehr auf der Straße beim Nachhausegehen prügeln. Wir wollen es gegen größere Truppenmassen versuchen. Fallen wir, schön! Unser Blut sei die rothe Dinte, mit der die neuen zehn Gebote geschrieben werden.

Die entmenschende Sclaverei der Lehrer muß aufhören, sie dürfen täglich nicht mehr als eine Stunde mit reichlichem akademischen Viertel geben.

Der Schüler darf nicht mehr als diese eine Stunde zu nehmen gezwungen werden.

Es muß den Schülern gestattet werden, dem Director dann und wann ein mäßige Züchtigung angedeihen zu lassen, bis er aufhört, sich vom dem Schweiß der Secundaner zu mästen und sich in den Thränen der Sextaner zu baden.

Alle Rangunterschiede müssen aufhören: Der träge Schüler muß vorrücken wie der fleißige, der verbohrte das Examen bestehen wie der gescheidte. 

Nieder 
mit 
dem Carcer!
Mommsen muß umkehren! Durch Most zum Licht!

Sebastian Rüpel,
souverainer Schüler.

Gleiche 
Censur 
für 
Alle!

 
 
 
 (aus: Nr. 24, 14. Juni 1878)

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